sidux – mehr als ein “gepimptes” Debian
Nachdem ich innerhalb von 2 Jahren schon so ziemlich alle Distributionen durchgetestet hatte, fiel mein Blick nun auch auf sidux in der aktuellen Version sidux-2007-04.5 Weihnachtsspecial “Ερως” (Eros).
Laut diverser Aussagen soll es das schnellste debianbasierte Linux sein – also wie geschaffen für meinen altes Notebook (1400 MHz, 768 MB RAM). Gut, nichts wie los. Runter mit der ca. 700 MB großen Live-CD und gebootet. Das Design des (standardmäßigen) KDE-Desktops von Eros läßt zu wünschen übrig, aber wer wählt eine Distribution aufgrund des Designs? Ok, will man ein durch zusätzliche Tools verbessertes und sexy Ubuntu haben, dann ist man mit LinuxMint perfekt bedient…aber das ist ein anderes Thema.
Auf dem Live-Desktop findet man auch sogleich (neben den gemounteten Partitionen und Festplatten) drei Starter: das sidux-Handbuch, ein Starter für eine Verbindung zum sidux-IRC-Channel und den Installer.
Hmm, also gut. Als erstes werfen wir mal einen kurzen Blick ins Handbuch, auch wenn man vor lauter Vorfreude und Neugier beinahe platzt. Schon zu Beginn wird mir klar, dass dies die richtige Entscheidung war. Kurz und knapp wird man in sidux eingeführt, ohne dass dabei das wesentliche unter den Tisch fällt.
10 Minuten später hat man sich da Wichtigste eingeprägt und kann nun den Installer starten (weitere Screenshots zum Installer findet man hier im Handbuch).
Nachdem man den Willkommens-Bildschirm gelesen und weitergeklickt hat, gelangt man zum Reiter “Partitionieren”. Alles recht übersichtlich – ich wähle gparted als Partitionsprogramm aus, da ich die gparted-Live-CD als zuverlässigen Partner beim Anlegen, Löschen und Bearbeiten von Partitionen kennen- und schätzenglernt habe.
Soweit alles klar, die Übersicht ist selbsterklärend und dürfte auch Neulingen keine Probleme bereiten. Einziger Nachteil: die restlichen Partitionen werden automatisch nach /media/sdaX gemountet – leider keine Möglichkeit andere Einhängepunkte (außer für die Extra-Home-Partition) festzulegen. Nun, man kann nicht alles haben. Kann ich später ja nachholen.
Im nächsten Reiter werden Bootloader und Zeitzone festgelegt. Positiv überrascht die Möglichkeit, dass man zwischen LILO und GRUB als Bootloader auswählen kann. Aus Gewohnheit nehme ich GRUB, da mir dessen Syntax schon vertraut ist. Weiter…
Die Reiter “Benutzer” und “Netzwerk” bringe ich in 20 Sekunden hinter mich und kann nun endlich mit der Installation beginnen…Ich drücke auf “Installation beginnen” und mache mir einen Kaffee und schiebe mir noch eine Pizza in den Ofen. Die dürfte fertig sein bis die Installation abgeschlossen ist, steht schließlich ausdrücklich dabei, dass die Installation zwischen 5 und 15 Minuten dauert (auf älteren Systemen zwar bis zu 1 Stunde, aber so alt ist mein Notebook schlielßich auch noch nicht). Dennoch bleibt eine gewisse Skepsis zurück ob der versprochenen Installationsgeschwindigkeit. Aber ok, komme ich also später wieder…
Ca. 15 Minuten später komme ich wieder, schalte den Backofen aus und gieße mir anschließend noch den Kaffee ein. Überrascht stelle ich fest, dass die Installation schon fertig ist und nur kanpp über 11 Minuten gedauert hat. Hmm, scheint wohl tatsächlich etwas schneller zu gehen als erwartet und sidux wurde hier seinem Ruf als schnellstes Linux schon einmal gerecht.
Der Reboot geht ebenfalls schneller von statten als ich es selbst von Debian Etch gewöhnt bin.
Der Desktop ist derselbe wie der der Live-CD, aber da kann man natürlich nichts anderes erwarten – darum kümmere ich mich später. Die üblichen Verdächtigen wie OpenOffice, Iceweasel & Co. sind alle schon installiert und ich schenke ihnen ersteinmal keine weitere Beachtung. Vielmehr interessieren mich die siudx-eigenen Programme und Skripte.
Beginnen wird doch gleich einmal mit dem sidux-Kontrollzentrum (siduxcc).
Sehr schön, denke ich mir. Alles Wichtige auf einmal zusammengefasst. Neben den System-Informationen findet man noch die Rubriken “Anzeige”, “Dienste”, “Internet”, “Kernel” “Netzwerk” und “Software”. Ich beschließe, mich um eine Aktualisierung des des Kernels und der Software später zu kümmern, schließlich gibt es dazu ja das Skript smxi.
Als erstes konfiguriere ich das Netzwerk, um es mir per WLAN auf dem Sofa gemütlich machen zu können. Von Debian und *buntu war mir bekannt, dass das zu meiner Belkin-Karte gehörige Modul “rt61pci” ziemlich rumzickt und ich den aktuellen Treiber manuell wohl nachinstallieren muss. Scheiß drauf, denke ich mir, das ist ne Sache von 2 Minuten. Aber ich entscheide mich vorerst dafür, es dabei zu belassen und mein Glück mit dem integrierten “rt61pci” zu versuchen. Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte. Die Verbindung, die unter Debian und *buntu stets nach einigen Minuten abbrach, hat mich bisher noch nicht im Stich gelassen. Doch der Reihe nach. Mit Ceni richte ich meine WLAN-Verbindung ein und beim 2. Versuch habe ich die Verbindung auch hergestellt. Das klappte schon einmal. Sehr schön!
Was nun? Es funktioniert alles. Bildschirm und Grafikkarte – perfekt. Sound – ebenso. Hmm, ich dachte sidux sei etwas für Profis…Na, wieder etwas dazugelernt. Also gut, ich klicke mich weiter durch das System und erfreue mich an den aktuellen Versionen der installierten Programme (auch nach einigen Tagen hatte ich selbst mit OpenOffice 2.4 keinerlei Probleme…).
Ok, eine halbe Stunde später entscheide ich mich, eine Systemaktualisierung durchzuführen. Also schnell in den Textmodus wechseln und als Root “smxi” ausführen. Das Skript ist klasse!! Da wird mir klar, dass selbst interessierte Neulinge keinerlei Probleme mit sidux haben dürften. Ich überspringe das Angebot einen neuen Kernel zu installieren und fahre mit dem dist-upgrade fort. Es läuft automatisch fort und fragt nur ab und an, was ich denn zu tun gedenke! Ich tippe, brav wie ich bin, entweder “y” oder “n” oder die entsprechende Nummer ein. So installiere ich mir zusätzlich zur Aktualisierung der bereits installierten Programme, kurz einmal Opera, Skype und XFCE. Ist ja einfach, ok. Nach Ende des Skripts starte ich es erneut, um mit Hilfe von smxi den neuen Kernel doch noch zu installieren. Gesagt, getan…auch dies verläuft ohne Probleme und ich reboote ins neue System und mache mich am Feinschliff zu schaffen…
Nach einem Besuch der Homepage fiel mir auf, dass die Neue Version “Nyx” schon in Kalenderwoche 4-6 erscheinen sollte – nach durchsuchen des Forums und einigen Threads wurde mir schnell klar, dass auch hier auf die Nähe zu Debian und seiner Philosophie großer Wert gelegt wird. Wie auch bei den Releases von Debian gilt hier das Motto: “It’s done, when it’s done!” Und das ist nur zu befürworten! Diese Ansicht vertreten wohl auch die meisten sidux-User, denn ausser ein paar Nachfragen informativer Natur, gibt es keinerlei Meckern und alle sind der Meinung, dass ein paar Tage/Wochen länger warten besser ist, als ein “unfertiges” und instabiles System aufgetischt zu bekommen, nur damit der Release-Plan eingehalten wird. Ebenso gibt es trotz des aktuellen Hypes um KDE4 keinerlei Ambitionen, diesen früher in sidux zu integrieren – so widerprüchlich es auch klingen mag: trotz der sidux Basis aus den Debian unstable (Sid) Quellen, lässt man sich nicht vor lauter Ungeduld dazu hinreißen neue Pakete einzubauen, bevor diese nicht ausgiebig getestet und für stabil befunden wurden.
sidux bringt von Haus aus alles mit, was man sich von einer anständigen Distribution erhofft. Auch für Linux-Neulinge dürfte es kein Problem sein, sich mit sidux zurechtzufinden – sofern sie sich für die Abläufe des Systems ein wenig interessieren und nicht gleich in Panik verfallen, wenn sie das Wort “Konsole” hören. Will man natürlich nur ein fertiges System haben, ohne ein wenig hinter die Kulissen zu schauen, ist man bei *buntu, LinuxMint und Co. besser aufgehoben, aber darum geht es ja bei einem “richtigen” Debian-System auch nicht.
Sollten doch einmal Fragen und Probleme auftauchen, findet man im Forum und im #sidux-IRC-Channel kompetente Hilfe. Und mit ein wenig Glück kann man sogar “slh” (der die Kernels öfter raushaut als ich meine Unterhosen wechsel) und “h2″ (den Maintainer von “smxi”) antreffen und sie mit Fragen bombadieren. Ansonsten findet man bei “devil”, “towo|”, “x-un-i” und vielen anderen ausgezeichnete und geduldige Helfer.
Auch bestätigt sich meine Befürchtung nicht, dass das System aufgrund der Debian-Sid-Quellen instabil ist! Richtig ist allerdings die Aussage bzgl. der Geschwindigkeit von sidux und die Aussage “sidux – aktuell und sauschnell” trifft es auf den Punkt. Ich hatte vorher kein schnelleres System in den Fingern.
Negativ fällt für Debian-Liebhaber allerdings auf, dass der GNOME-Desktop nicht supported wird. Einerseits werden hierfür im Forum die recht unverständlichen Argumente ins Feld geführt, dass für echte “Poweruser” sowieso nur KDE in Betracht kommt, andererseits (und das ist gut nachzuvollziehen), fehlen einfach 2-3 Maintainer, die sich um die GNOME-Pakete aus Sid kümmern und diese pflegen. Immerhin handelt es sich um ein Projekt ohne finazielle Unterstützung eines Unternehmens wie Red Hat oder Canonical und daher ist es etwas schwieriger neue Entwickler ins Boot zu holen – man wird sehen, vielleicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch GNOME vom sidux-Team supported wird.
Ein weiterer negativer Aspekt war, dass im Forum teilweise gegen Mark Shuttleworth und seine Millionen, die er in Ubuntu und Linux im allgemeinen steckt, gewettert wird. Dies wirft einen kleinen (wirklich kleinen) Schatten auf die ansonsten großartige und freundliche sidux-Community -man sollte nicht vergessen, dass durch Leute wie Shuttleworth unter anderem das Interesse von Hardwareherstellern geweckt wird und somit alle Linux-Distributionen und -Anwender etwas davon haben. Sei’s drum! Auch das ist ein anderes Thema und gehört vielleicht an anderer Stelle etwas genauer erörtert…
Wer also ein schnelles und aktuelles Linux-System haben will, kommt an sidux nicht vorbei. Und man freut sich schon darauf, dass die Entwickler demnächst über “Nyx” sagen: “IT’S DONE!!!
Greez wubuntu



Ich kann allem zustimmen. Sidux ist schnell, elegant, zuverlässig und ideal um damit richtig zu arbeiten. Meine persönliche Meinung: Neben Sidux ist nur noch Debian testing und – stable eine Alternative.